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Gustav rettet die Ruder-WM in Wedau

Im ehemaligen Pumpwerk Alte Emscher herrschte Alltag. Werner Knorb stand barfuß im Batikhemd zwischen Kacheln und Eisenträgern und ließ die Tuba vibrieren, als wolle er den Rheinpegel in Schwingung bringen. Unter dem Vibraphon lagen die Herren Dackel Gustav und Fritz ausgestreckt, beide auf dem Rücken, Pfoten nach oben, Lefzen schlaff im Schlaf. Dann vibrierte das Smartphone auf der alten Werkbank. Zuerst leise, dann insistierend. Knorb senkte das Mundstück, blickte mürrisch auf das Display: „Dietz DuisburgSport“. „Professor Knorb? Hier spricht der Veranstaltungsleiter der Ruder-WM. Wir haben Mufflons. Eine ganze Herde blockiert den Leinpfad an der Regattastrecke in Wedau. Hier geht gar nichts! Wir brauchen Sie – und Ihre Dackel.“ Knorb legte die Tuba ab, schob die florale Brille zurecht und murmelte: „Oh, ha.“ Gustav hob im Schlaf ein Ohr. Fritz schnaufte, als wolle er schon jetzt protestieren. „Also wirklich“, begann er, die Fliege zurechtrückend, „für Mufflons ist die Abteilung L...

Knorb live bei ARD Jazz

  Nikals Wandt:  „ARD Jazz – das Magazin. Jeden Mittwoch um 22 Uhr melden wir uns mit dem wöchentlichen Jazz-Update. Heute mit Neuerscheinungen – aber auch mit grundsätzlichen Gedanken zu Jazz und Politik. Später im Gespräch: der bekannte Jazzschimpanse Prof. Werner Knorb , Leiter des Jazzlabors im ehemaligen Pumpwerk Alte Emscher in Duisburg-Meiderich. Ich habe mit ihm über seine gerade erschienene Autobiografie "Jazz mit dickem Fell" gesprochen – und über seine kulturpolitischen Forderungen. Unser musikalisches Intro kommt heute von Quincy Jones – ein Stück von 1969: ‚Killer Joe‘. Ich bin Niklas Wandt. Hallo!“ [Musikeinlage] Wandt (ruhig, fast flüsternd): „‚The weapon that we will use is the cool one‘ – das hat Dizzy Gillespie einmal gesagt. Für meinen heutigen Gast war das vielleicht mehr als nur ein Satz. Für ihn war es Überlebensstrategie. Geboren im Duisburger Zoo, aufgewachsen zwischen Gitterstäben, Besuchern und eingestreuten Sägespänen. Heute Professor für Jazztheor...

TV-SKANDAL: Knorb-Chaos beim KÖLNER TREFF - Nur BILD berichtet ALLES

Walzer-König und Panflöten-Gott ZERFETZEN Beisenherz! Köln – Was für eine Blamage für den WDR live im TV! Ein vermeintlich gemütlicher „Kölner Treff“ wird zum Schlachtfeld. Talkmaster Micky Beisenherz (48) hat den Bogen überspannt. Zu Gast: Star-Geiger André Rieu (76), Panflöten-Legende Gheorghe Zamfir (84) und der weltbekannte Jazz-Schimpanse Professor Dr. Werner Knorb – eigentlich eingeladen, um über sein neues Album „Brass Beauty“ zu sprechen: Internationale Jazzstars spielen in Duisburgs ehemaligem  Pumpwerk Alte Emscher . TV-Eklat der Extraklasse! Beisenherz, wie immer süffisant, schien Knorbs künstlerische Klasse bewusst zu ignorieren und ihn nur auf seine Spezies zu reduzieren. Als Knorb gerade seine florale Brille zurechtrückte, stichelte der Moderator: „Herr Professor Knorb, mal ehrlich, Hand aufs Herz: Spendet der WDR Ihre Gage eigentlich direkt an den Zoo Duisburg? Also, sind Sie nur der Exot, der die Quote sichert?“ RIEU: „SIE SIND KEIN GENTLEMAN!“ Damit war der Damm ...

Pflaumenmus über die Atlantikbrücke

  Knorb war mies drauf. Schon seit Tagen lief nichts. Rieu fuchtelte mit der Geige, Zamfir pustete ins Panflötenholz – alles scheiße. Kein Pflaumenmus weit und breit. In Meiderich stand sonst immer ein Vorrat im Regal, hier in New York: Fehlanzeige. „Ich brauche meinen Schmierstoff“, knurrte Knorb und tippte missmutig auf den Ventilen seiner Tuba. „Ohne Pflaumenmus keine Inspiration.“ Rieu, der alte Schlickefänger, hatte sofort eine Idee. Er kannte die merkwürdigen Logistik-Gewohnheiten der Ruhrbarone. „Krupp fliegt jeden Tag von Lohausen nach New York. Vertragskram, Ersatzteile, Protokolle. Vielleicht passt da ein Kistchen Pflaumenmus mit rein.“ Er griff zum Telefon. „Berthold? Ja, André Rieu hier. Problem: Knorb hängt durch. Kein Pflaumenmus. Verstehst du?“ Berthold Beitz verstand. Natürlich verstand er. Er schickte Mehmet, seinen Assistenten – den die Leute mit spitzer Zunge „Kammertürken“ nannten. Mehmet war pflichtbewusst, immer korrekt gekleidet: dunkelblauer Anzug, hell...

Knorbs Tuba-Triumpf in Lohausen

Der erste Termin der Welttournee sollte das Sydney Opera House sein. Von Düsseldorf aus sollte es losgehen, das Trio der Unwahrscheinlichkeiten: Gheorghe Zamfir mit seiner Panflöte, André Rieu mit seiner Violine und Werner Knorb mit seiner Tuba. Schon am Schalter der Airline spitzte sich die Lage zu. Rieu und Zamfir hatten sich jeweils einen ganzen Dreierblock reservieren lassen – selbstverständlich für sich selbst ("Man will ja mal die Beine ausstrecken.") und ihre unersetzlichen Instrumente. Knorb hatte bescheidener kalkuliert: zwei Plätze, einer für ihn, einer für seine Tuba. Doch die Mitarbeiterin hinter dem Schalter schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, die Tuba muss in den Frachtraum.“ Rieu fuhr empört dazwischen: „Unmöglich! Wissen Sie überhaupt, welche Töne Sie da erfrieren lassen wollen?“ Die Mitarbeiterin blickte streng von Rieu zu Knorb. „Mal davon abgesehen – er... ist ein Tier. Für ihn gilt die Boxenpflicht.“ Stille. Zamfir starrte sie an, Rieu: "Er? Verd...

Werner Knorb – Die Symphonie des Unerwarteten

  Werner Knorb war längst eine lokale Legende. Mülheims Jazzclub „Alte Lampe“ platzte aus allen Nähten, sobald er die Tuba ansetzte. Die Leute kamen wegen seines rauen, aber gefühlvollen Tons. An einem verregneten Abend saß ein unscheinbarer Mann mit Hut in der hintersten Ecke: Gheorghe Zamfir, Meister der Panflöte. Er hatte von dem Schimpansen gehört, der Tuba spielte. Als Werner die ersten Töne aus dem Messing holte, blieb Zamfir wie angewurzelt. Er hörte nicht bloß Musik – er hörte eine Seele, die durch Metall sang. Nach dem Konzert trat er an Werner heran, legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte leise: „Ihr Klang ist die Erde. Meiner ist der Himmel. Wollen wir sie zusammenbringen?“ Wenige Tage später trafen sie sich im Proberaum. Zamfir griff zur Panflöte, Werner antwortete barfuß und mit floraler Brille auf seiner Tuba. Das klang schon ungewöhnlich genug – bis André Rieu, neugierig geworden, die Tür aufstieß. Erst grinste er über den „Affen mit Tuba“. Doch als die erst...

Pflaumenmus to Birdland: Knorbs Jazzwunder an der Aktienstraße

Die Alte Lampe an der Aktienstraße in Mülheim war mehr als nur eine Jazzkneipe. Die Wände waren vom Rauch der Jahrzehnte geschwärzt, die Tische klebten, und die Gesichter, die man hier sah, gehörten fast alle zur Familie. Man musste keine Legende sein, um hier aufzutreten, aber die Bühne war bekannt dafür, Musiker in eine zu verwandeln. An diesem Abend kündigte Mülheims bekanntester Trompeter, Helmut Schlitt, einen besonderen Gast an: „Meine Damen und Herren, heute begrüßen wir einen ganz besonderen Künstler. Einen waschechten Jazz-Schimpansen. Ja, Sie haben richtig gehört. Aber ich lasse ihn sich am besten selbst vorstellen.“ Ein Tuscheln ging durch den Raum. Ein Schimpanse? Dann trat Werner Knorb im Batikhemd, barfuß wie immer und mit seiner floralen Brille, ans Mikrofon. „Ich mache es kurz“, sagte er. „Mein Motto für heute: No sex, no drugs, no Dixieland.“ Der Witz saß. Ein Lachen ging durch den Raum. Knorb hob die Tuba an, atmete tief ein – und plopp . Ein seltsam dumpfes Geräusch....

Affenartig gut: Helmut Schlitt entdeckt Werner Knorb

  "Dat gibbet doch nicht", Mülheims Jazzlegende Helmut Schlitt fühlt sich von Professor Ulrich Haas am Telefon auf den Arm genommen. "Doch, doch", sagt Haas: "Der Schimpanse ist ein absolutes Naturtalent. Der spielt Tuba wie Roger Bobo. Komm vorbei."  Schlitt setzt sich widerwillig in seinen alten Ford Taunus und fährt die Ruhr hinauf nach Werden. "Wenn der Haas mich hier nur veralbern will…", murmelt er, während er auf den Hof der Folkwang-Hochschule einbiegt. Im kleinen Proberaum riecht es nach Bohnerwachs und Pflaumenmus. Da sitzt er: Werner Knorb, barfuß wie immer, mit der floralen Brille auf der Nase und der Tuba auf dem Schoß. Das Instrument glänzt nicht, sondern ist stellenweise stumpf und verschmiert. Knorb wienerte eifrig mit einem Batisttuch. Haas grinst: "Werner hat wieder bei der Probe sein geliebtes Baguette mit Pflaumenmus gefuttert." Dann legt Knorb los. " Lullaby of Birdland " – nicht brav, nicht akademisch, ...

Der Solex-Schmu von Tongeren

  Es war noch dämmrig, der Nebel hing zwischen den Straßenlaternen wie ein grauer Vorhang, als Prof. Dr. Werner Knorb barfuß über das Kopfsteinpflaster tappte. Der Trödelmarkt von Tongeren erwachte gerade: Händler klappten ihre Tapeziertische auf, ein altes Transistorradio krächzte Brassens, irgendwo zischte eine Kaffeemaschine, und der Duft von Waffeln mischte sich mit feuchtem Karton. Knorb bewegte sich nicht wie ein Käufer, sondern wie ein Schiedsrichter, der den Platz betrat. Er wusste: Er musste nichts suchen – die Dinge traten von selbst zu ihm. Mit einer beiläufigen Geste strich er über Schallplattenhüllen, schnalzte abschätzig mit der Zunge, klopfte auf eine verbeulte Trompete, als hätte er schon ihr Urteil gefällt. Bei einem verrosteten Vierteltonhorn blies er ein paar Takte der Brabançonne , nur um es dann mit wegwerfender Miene zurückzulegen. Händler grinsten. „Der alte Affe wieder. Bringt alles zum Klingen.“ Doch sie wussten auch: Mit ihm zu feilschen war aussichtslos...

Carepaket aus Walsum

  Alle drei Monate dasselbe Ritual. Ein leises Surren kündigt ihn an, dann biegt der kleine elektrische Lieferwagen von DPD um die Ecke des ehemaligen Pumpwerks Alte Emscher .  "Hallo Herr Professor!", ruft Mehmed, grinst unter seiner Basecap, während er ein Päckchen in die Höhe hält. "Nachschub. Die Cheffin schickt schwarzes Gold." Professor Dr. Werner Knorb , Deutschlands einziger Jazzprofessor, unterbricht selbst die konzentriertesten Improvisationen. Er legt seine Tuba beiseite, als Mehmed die große Stahltür des Pumpwerks einen Spalt öffnet. Und Fritz und Gustav , die Herren Dackel, ihn kläffend begrüßen. Knorb weiß, wer "die Cheffin" ist. Marion Ahlers , Tierpflegerin in Rente. Mit dem Opinel schlitzt er vorsichtig das Paketband auf und fördert einen vorbildlich gepolsterten Karton zutage. Darin: drei Gläser Walsumer Schwarzmus von Bauer Blomenkamp. Es ist seine Sorte. Jene tiefdunkle, würzige Schlotze, die nur auf dem Hof Blomenkamp in Walsum nach e...

Die Emscher-Oase: Knorbs Coup de Meiderich

  Für Professor Knorb war das ehemalige Pumpwerk Alte Emscher in Duisburg-Meiderich mehr als eine Immobilie – es war eine Vision. Ein Refugium für den Jazz, fernab steriler Konzertsäle, mitten im Revier. Der Weg dorthin war kein Spaziergang, sondern eine Expedition durch den Dschungel der Duisburger Lokalpolitik – ein Terrain, das Knorb mit der gleichen eigenwilligen Virtuosität bespielte wie seine Tuba. Gerüchten zufolge begann alles mit einer folgenschweren Begegnung auf dem Duisburger Weinfest. Knorb – florale Brille, Dackelgespann Gustav und Fritz im Solex-Seitenwagen – traf auf Oberbürgermeisterin Bärbel Zieling und den einflussreichen SPD-Fraktionschef Bruno Sagurna. Ein Glas Chinon, ein zweites, dann saß Knorb nicht nur am Tisch, sondern in den Köpfen der Entscheider. Er sprach von kultureller Avantgarde, von internationaler Strahlkraft für eine Stadt, die man eher mit Kohle und Stahl als mit Jazz verbindet. Was folgte, ging als die legendäre Mauschelei in die Stadtgeschich...

Tuba Total: Die Kaiserberg Kakophonie

  Kabinett 4B im Institut für Zeitungsforschung Dortmund. Hier liegt ein Eckklemmer mit der Aufschrift „not for digitization – Anfrage nur analog". Darin ein Microfiche des fast vergessenen dänischen Fachblatts The Messingblæser – Ausgabe November 1971 mit einer Kritik zur Habilitation von Dr. Werner Knorb. Wir haben Einblick genommen. Soviel vorab: Es ist befremdlich. Anders Lindstrøm: „Kreuz Kaiserberg" (1971) von Werner Knorb Die Habilitationsarbeit „Kreuz Kaiserberg" ist kein Musikstück im herkömmlichen Sinne, sondern eine kakophone Tonalitätsverweigerung des urbanen Verfalls. Knorb, zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg zur Selbstkasteiung im Dienste der Tonkunst, verarbeitet in der rund 42-minütigen Tuba-Solo-Komposition ausschließlich Frequenzen, die am Autobahnkreuz Kaiserberg zwischen 3:40 und 4:15 Uhr morgens messbar sind. Natürlich nur retroauriculär. Inspiriert von Pendereckis „Polymorphia", beginnt das Werk mit einem nahezu unhörbaren Infraschall, erz...

Pflaumenmus partout?

  Professor Ulrich Haas seufzte. Nicht aus Enttäuschung, eher aus einer tiefen, wissenden Müdigkeit, die nur jahrelanges Unterrichten von Genies am Rande des Wahnsinns mit sich brachte. Knorb, sein begabtester Kommilitone , hatte wieder einmal dieselbe Passage im "Concerto for Tuba" von Ralph Vaughan Williams versemmelt. Immer an derselben Stelle. Ein leises "Plopp", wo ein voluminöses H erklingen sollte. "Meiderino", sagte Haas schließlich, seine Stimme eine Mischung aus väterlicher Geduld und professoraler Autorität. "Wir hatten das doch schon. Dein Ansatz ist... sagen wir, avantgardistisch. Aber das 'Plopp' gehört nicht dazu. Hast du die Ventile mal wieder nicht gereinigt?" Knorb, barfuß wie immer und mit seiner obligatorischen floralen Brille auf der Nase, kratzte sich hinterm Ohr. "Nun, Herr Professor, das ist ein Missverständnis. Ich reinige meine Tuba regelmäßig. Nur... gestern Abend gab es da diesen kleinen Zwischenfall....

Per Niederflurbus zum Folkwang

Willem war nicht da, als Werner ging.  Tierpflegerin Marion Ahlers hatte ihm noch einmal die florale Brille geputzt. Hatte das Sacko aus dem Altkleidersack, das zwei Nummern zu groß war, an den Schultern zurecht gerückt. Hatte Werner den Vierfahrtenschein Preistufe B mitgegeben. "Werner, mit der Elektrischen 901 bis Hansastraße und dann den 134er Niederflur nach Werden. Kannst Du Dir das merken?" Und nun fuhr er. Nicht weg, nicht nach Hause – irgendwohin dazwischen. Werden. Folkwang. Er wusste nicht, ob sie ihn ernst nehmen würden. Ob man ihn überhaupt vorspielen ließ. Und ob Willem es je erfahren würde. Seine Mutter Helga hatte ihm Mut gemacht: "Werner, Du schaffst das." Was keiner gesagt hat: An der Ruhrtalstraße muss man noch von der 134 in den 180 Bus umsteigen, um zum Klemensborn zu kommen. 7.45 Uhr. "Sie sind aber früh dran, Herr Knorb", sagte Hausmeister Korten, der Werner den Vorspielsaal aufschloss. "Ihre Prüfung ist erst um 9 Uhr." ...

Mutter Helga – und immer flüstert der Ituri

    Sie kam im Jahr der großen Dürre, 1961. Helga, ein Schatten und Angst, mitten in einem Frachtraum voller Heu und dem fahlen Licht eines Batterielämpchens. Der Ituri-Wald, den sie kannte, war ein Gewebe aus Geruch und Klang – feuchte Erde, verrottendes Holz, das metallische Zirpen der Zikaden, das tiefe Brummen der Waldelefanten, das leise Rascheln von Fingern auf Rinde. Hier, in der Kiste, war alles steril, dumpf, tot. Marion Ahlers , damals noch jung und neu im Duisburger Zoo, sah mehr als nur ein verängstigtes Tier. Sie sah Augen, die zu viel gesehen hatten. Helga saß Tage nur da, ein Fellbündel in der Ecke ihres neuen, viel zu kleinen Geheges. Sie rührte kein Futter an, reagierte kaum auf Rufe. Willem , der schon im Zoo geborene Schimpanse aus Arnheim, der seinen Blechnapf wie ein balinesisches Gamelan bearbeitete, war ihr fremd. Seine Geräusche waren zu hart, zu konstruiert. Sie verstand seine Rhythmen nicht, nur die Leere, die sie in ihr hinterließen. Marion ließ sie ...

Vader Willem - Gamelan auf Blechnapf

    Willem, Vater von Professor Dr. Werner Knorb, war kein stiller Typ. Im Zoo Duisburg im Gehege gleich hinter dem Flamingoteich – war er jahrelang der inoffizielle Taktgeber des Affenhauses. Ein echter Primus unter den Primaten, gebaut wie ein Hüne. Sein Stammbaum? Zoointern lückenhaft dokumentiert. Man sagt, seine Vorfahren stammten ursprünglich aus dem Burger’s Zoo in Arnheim, aber Willem selbst war längst eine Institution: aufgewachsen in der dritten Generation in Menschenobhut, mit ausgeprägtem Geltungsdrang und einer Vorliebe für große Auftritte. Besonders vor der Fütterung. Denn Willem spielte. Nicht etwa Instrumente. Nein: Er spielte Napf. Einen schlichten Blechnapf, den er sich mit einem Bambusstab zur Klangskulptur umbaute. Seine Rhythmen waren keine Improvisation, sondern Erhebung. Fein verästelt wie balinesisches Gamelan – ohne Noten, ohne Regeln, aber mit Präsenz. „Wenn Willem loslegte“, erinnerte sich einmal Marion Ahlers , langjährige Pflegerin, „da war es muc...

Brass Beauty - Out Now!

  „Yes, I probably would sell more records if I did things a different way, but then I wouldn’t be happy.“ Professor Doktor Werner Knorb . Der Jazz-Schimpanse, wie er leibt und lebt. Das Rolling-Stone-Magazin hatte ihn interviewt und gefragt, warum sein neues Album Brass Beauty, das Stücke enthält, die nur eine Handvoll Jazzkenner beim dritten Glas Absinth in einem abgelegenen Pariser Kellerclub goutieren, nicht zugänglicher sei. Warum er sich den Weg zu einem breiteren Publikum so selbst verbauen würde. Knorb zuckte die haarige Schulter, schob die florale Brille nach oben und antwortete auf seine Weise:  „Ich bin nicht hier, um zu gefallen. Ich bin hier, um zu klingen.“ Dabei ist Brass Beauty kein sperriges Werk. Es ist nur eigensinnig. Patricia Barbers Black Magic Woman eröffnet das Album wie eine Einladung in ein mondbeschienenes Paralleluniversum. Maaloufs Nomade Slang zieht dann die Teppiche unter den Füßen weg – rhythmisch, schwebend, nie da, wo man ihn erwartet. Jeff ...

Brass Beauty – Folge VIII: Juste comme ça

  Nikki Yanofsky hatte im ehemaligen Pumpwerk Alte Emscher übernachtet. Sie war spät in Düsseldorf angekommen. Irgendwie wollte sie nicht ins Hotel. Zu kalt, zu funktional. - "Nikki, Du kannst im Labor pennen." - Knorb hatte ihr die Schlüssel unter die Fußmatte gelegt. Fritz hatte ein rotes Schokoherz auf das Feldbett mit dem dicken Carinthia-Schlafsack gelegt. Als Knorb morgens mit der Solex und den beiden Dackeln im Beiwagen zum Dienst erscheint, steht auf dem abgedeckten Vibraphon ein kleines Frühstücks-Buffet: Croissants, Bagels (Nikki ist aus Montréal) und je ein Happen grobe Leberpaté für die Herren Dackel. Knorb: „Das erste Mal hab ich dich 2011 in Montreux gehört. B. B. hatte mich gebucht. Ich sollte was Leichtes spielen zu "Key To The Highway". Ding der Unmöglichkeit. Ich hab’s trotzdem gemacht. Ich mach mich ja gern zum Affen. Kam tatsächlich gut an, mein Tüdelü. B. B. hat wie immer fürstlich gezahlt. Und dann... standet ihr plötzlich da.“ Nikki (blickt ...

Brass Beauty – Folge VII: Marie-Jeanne-Gabrielle

    „Ich werd oval. Die Tribordais kommen!“ Fritz schüttelt sich. Langhaardackel empört. Gustav schiebt die Brauen zusammen. „So. Jetzt ist er völlig durchgedreht. Der Amtstierarzt soll antanzen.“ Der Professor aber, barfuß wie immer, mit floraler Brille auf der Nase, blickt versonnen in die Nachmittagssonne, die durchs Fenster des ehemaligen Pumpwerks Alte Emscher fällt. „Ihr habt ja keine Ahnung“, murmelt er. „Das hier ist keine bretonische Schifferklaviertruppe. Ich hab sie gehört. Live. Bei La Meule en fête.“ Fritz verzieht die Lefzen. „Ich rieche Brackwasser.“ Knokke, Kneistival und königlicher Briefverkehr Es habe, so Knorb, alles in Knokke begonnen. Beim Kneistival stand er mit Dotan auf der Bühne. Der belgische König saß im Publikum, inkognito. „Nach dem Auftritt kam er zu mir, klopfte mir auf die Schulter und sagte nur: Formidable, Monsieur le Professeur.“ Am nächsten Tag lag ein Brief im Kasten – Farnblätter, Wachssiegel, schweres Papier: Einladung auf die Île d’Yeu....

Brass Beauty – Episode VI: Nimm mal lieber die Möhrchen

Helge Schneider schaut mal wieder auf Stippvisite im Jazzlabor vorbei: „Also Werner, dein Brass Beauty… du hast mir ja das Vorabdingens gemailt. Das is wie Oktoberfest mit Eierlikör! Ich hab Tränen gelacht und gleichzeitig ’n bisschen Gänsehaut gekriegt – das wird ein Meisterwerk, mein Lieber! Komm, lass uns ein bisschen klimpern. Hier in deinem schönen Pumpwerk.“ Sie improvisieren ein paar Runden: All the Things You Are, Autumn Leaves, Blue Bossa, Body and Soul. Als Helge mit Fly Me to the Moon anfängt, sagt der Professor: „Helge? Heeelge? Italiener?“ „Insalata Mista, Commendatore. Aye, aye. Aber subito. Die Herren Dackel, auf geht’s! Grobe Leberpaté liegt in der Luft.“ Zurück im Jazzlabor. Ob es die Macht der Gewohnheit ist oder ob der Grappa aufs Haus von Mario nachgeholfen hat – wir wissen es nicht. Wie immer sitzen beide an der Farfisa und spielen das Möhrchenlied. Sie prusten vor Lachen, als wäre das zum ersten Mal passiert. Knorb: „Helge, das kommt aufs Album.“ Helge: „Du hast g...