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Affenartig gut: Helmut Schlitt entdeckt Werner Knorb

 



"Dat gibbet doch nicht", Mülheims Jazzlegende Helmut Schlitt fühlt sich von Professor Ulrich Haas am Telefon auf den Arm genommen. "Doch, doch", sagt Haas: "Der Schimpanse ist ein absolutes Naturtalent. Der spielt Tuba wie Roger Bobo. Komm vorbei." 

Schlitt setzt sich widerwillig in seinen alten Ford Taunus und fährt die Ruhr hinauf nach Werden. "Wenn der Haas mich hier nur veralbern will…", murmelt er, während er auf den Hof der Folkwang-Hochschule einbiegt.

Im kleinen Proberaum riecht es nach Bohnerwachs und Pflaumenmus. Da sitzt er: Werner Knorb, barfuß wie immer, mit der floralen Brille auf der Nase und der Tuba auf dem Schoß. Das Instrument glänzt nicht, sondern ist stellenweise stumpf und verschmiert. Knorb wienerte eifrig mit einem Batisttuch. Haas grinst: "Werner hat wieder bei der Probe sein geliebtes Baguette mit Pflaumenmus gefuttert."

Dann legt Knorb los. "Lullaby of Birdland" – nicht brav, nicht akademisch, sondern voller Verwegenheit. Jeder Ton ist wie eine kleine Explosion, und doch liegt eine unerklärliche Zärtlichkeit darin. Schlitt spürt, wie seine Nackenhaare sich aufstellten. Der Schimpanse spielt nicht nur die Melodie – er erzählt eine Geschichte, die ihn mitten ins Herz trifft.

"Und der ist wirklich aus dem Duisburger Zoo?", fragt Schlitt ungläubig, als das letzte tiefe G verklungen ist. "Wie ist der denn hierher gekommen?"


Haas zuckt die Schultern: "Wie alle – mit dem 180er Niederflurbus zur Vorspielaula am Klemensborn 39. Was hast du denn gedacht?"

Schlitt starrt zwischen Haas und Knorb hin und her, dann lacht er so laut, dass es durch die Gänge hallt.

„Werner, Junge – du kommst mit. Samstag, Alte Lampe, Aktienstraße. Kein großes Ding. Einfach mal gucken, ob die Leute dich überhaupt mögen.“

Der erste Schritt von Knorbs Karriere im Jazz war getan, entdeckt von einem Mann, der mehr hörte als nur die Musik. Der Brücken baute.

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