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Jazz mit Fell – Professor Knorb und seine Tour de Tuba

 


Professor Dr. Werner Knorb – Jazz-Schimpanse, Tuba-Virtuose, florale-Brillen-Liebhaber – und: Deutschlands einziger Jazzprofessor. Das allein würde schon reichen, um sich ein Denkmal aus Notenschlüsseln zu gießen. Aber Knorb wäre nicht Knorb, wenn er es dabei belassen hätte.

Seine Habilitation bei Roger Bobo? Kein trockenes Papier, sondern eine wuchtige, an Pendereckis Polymorphia orientierte Version des Tuba-Stücks „Kreuz Kaiserberg“, von Bobo kommentiert mit: „Werner, das ist entweder genial – oder ein Notruf aus dem Untergrund.“

Knorb brummte nur. Die Aufnahme landete später, getarnt unter Pseudonym, auf dem legendären Album „Tuba Libera“ – ein Meilenstein für all jene, die Tuba nicht mehr nur mit Märschen assoziieren.

Für seine Promotion zog er alle Register – und blies „The Lonely Shepherd“ auf der Tuba so sehnsuchtsvoll, dass Gheorghe Zamfir, Papst der Panflöte, zu Tränen gerührt war. Was folgte, war eine zweijährige Tour mit Zamfir und André Rieu: Rio, Tokio, Sydney, stets ausverkauft. Knorb trat barfuß auf, seine florale Brille glänzte im Scheinwerferlicht, zum Abschluss jedes Konzerts: „Lullaby of Birdland“, dann der Satz, der zum geflügelten Wort wurde: „Bye, bye und Saallicht!“

Unvergesslich der Moment mit Michel Petrucciani bei Proben in Montreux:
„Werner, du spielst die Tuba, als hättest du vier Hände.“
Knorb, wie immer gelassen: „Nu, ja.“

Und über die nächtliche Session mit Miriam Makeba und das spontane „Pata, Pata Is The Name Of The Game“ schweigt Knorb bis heute. Aber er lächelt dabei – und das reicht eigentlich schon.

Ein besonders warmes Kapitel: Helmut Schlitt aus Mülheim.
Knorb sagt: „Der Helmut – kein Diplomat, aber einer, der verstanden hat, wie man Leute zusammenbringt. Mehr Brücken gebaut als drei Ausschüsse zusammen! Ich hab damals gesagt: Wenn Ihr bei der Stadt Verstand habt, dann nennt das Ding nach ihm. Basta.

Und siehe da – Mülheim hörte auf ihn. Heute erinnert die Brücke zwischen Hauptpost und Hingberg über dem Tourainer Ring an Schlitt, mit Gedenktafel und klarer Ansage: Hier spielte mal jemand, der Musikgeschichte im Revier geschrieben hat. Knorb nennt ihn ehrfürchtig den „Mölmschen Pontifex“.

Seit 2018 wirkt er im Jazzlabor Duisburg-Meiderich, einem Refugium im ehemaligen Pumpwerk Alte Emscher. Dort experimentiert, doziert und musiziert er – meist in Gesellschaft seiner beiden Dackel, Gustav von Oenkelstieg (Rauhaar) und Fritz Blumendahl (Langhaar). Die beiden reisen im Seitenwagen seiner Solex mit, auf einer Tour zu zeitgeschichtlichen Monumenten, bei der sie mit maßgeschneiderten Kostümen kleine tanztheatralische Performances aufführen. Und das Publikum? Begeistert.

Gelegentlich schaut auch Helge Schneider vorbei – ein alter Freund aus Tagen, als Jazz noch in verrauchten Kellern geprobt wurde. Die beiden verbindet nicht nur der Hang zum Improvisierten, sondern auch eine abgrundtiefe Abneigung gegen Möhren. Nach jedem Insalata Mista beim Italiener nebenan ist es Ritual, dass sie zurück ins Labor schlendern, sich an Knorbs Farfisa-Orgel setzen (baugleich mit Helges eigenem Modell), und in wildem Gelächter das „Mörchen-Lied“ zum Besten geben. Außenstehende verstehen nicht, was da genau passiert. Aber das ist auch besser so.


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