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Ein Tag am Meer III

11:30 Uhr: Ich erinnere mich an ein Rezept aus Nigel Slaters Diaries. Ich halbiere eine große Tomate aus dem Felsengarten von Erich, dem Melonenmann. Streue Meersalz und ein wenig Zucker drauf. Die Dinger wandern für 45 Minuten in den 200 Grad heißen Ofen. Ich streue ein wenig Thymian aus dem Topf vor dem Küchenfenster drauf und packe zwei kleine Ziegenkäse auf jede Hälfte. Zurück in den Ofen.





Unterdessen fahre ich mit dem Mountainbike noch einmal schnell zu Erich, dem Melonenmann und kaufe Schinken. Dabei komme ich am Schuppen mit den Surfbrettern vorbei. Und wer knutscht da zwischen den bammelnden Sufkombis? Ganz genau: Lisel und Gilles, der Bademeister - wie die Teenager. Als hätte ich es nicht geahnt. Lache innerlich und mache unseren Opa nach:”Verfluchte Unzucht!”


Die Klipp-Klapp-Box wird für's Mittagessen bestückt. Die geschmolzenen Tomaten kommen auf ein Salatbett mit den Schinkenscheiben. Abmarsch zum MG-Nest. Die Sonne knallt jetzt richtig. Hütchen und Sonnenbrille reichen nicht aus. Wir ziehen den Tisch in  den Schatten. Zehn Parteien sind hier auf der Anlage. Wir sind die einzigen, die die Außen-Essplätze nutzen - am liebsten das MG-Nest. Hatte befürchtet, dass es Theater geben könnte - wer wann und so, aber nix. Nada. Alle hocken in der Bude. Mir soll es recht sein.


Entdeckung des Urlaubs: Ein Biermischgetränk mit Zitronensaft. Viel herber und natürlich zitroniger als das übliche Panaché. Heiß geliebt und kalt getrunken. Zwei Worte und zisch! Wir moppen die letzten Salatblätter und den ausgelaufenen Tomatensud mit knusprigem Baguette auf. Nachtisch sind die platten Pfirsiche von Erich, dem Melonenmann, die sich als Schlürfepfirsiche entpuppen. Unverschämt süß und saftig. Die klebrige Brühe läuft uns am Kinn runter. Mittagspause.


13 Uhr: Auf dem Parkplatz vor dem Tennisplatz auf dem Suzanne Lenglen einst trainierte drängeln sich die Autos. Tout Paris möchte ein wenig Sommerfrische am Meer genießen. Alle natürlich mit Smartphones und Tablets ausgestattet. An mobiles Telefonieren ist nicht mehr zu denken. Internet ist schon seit 12:45 Uhr zusammengebrochen.


14 Uhr: Uns wird es zu voll. Aufbruch nach Offranville. Da ist heute ein verschnarchter Nachmittags-Markt. Warum Offranville eine Präfektur ist und Dieppe nicht, wissen vermutlich auch die Ofranvillais nicht.


Wir brauchen nichts und schlendern nur so aus Daffke über den Platz. Der sensationelle Metzger (Kalbsbries, Jambonneau) aus dem Eure, kommt schon seit einigen Jahren nicht mehr. Der Typ mit dem Schirm auf dem Kopf und der Flüstertüte "Il est là, il est là, il est lààhà!" ist auch nicht da. Die Melonen und die Tomaten, die ich bei Erich, dem Melonenmann, gekauft habe sehen besser aus und waren preiswerter.


Im Supermarkt kaufen wir alibihalber ein paar Kleinigkeiten, um zurück am Haus festzustellen, dass wir fast alles vergessen haben, was wir für's Abendessen brauchen. Beim blättern in einer französischen Fresszeitschrift war mir eine Idee gekommen, was ich mit der grünen Tomate aus Erichs Körbchen machen könnte. Fahre mit dem Rad nach Aldi in Saint Aubin. Gegenüber einer Fahrt nach Dieppe, hat das den Vorteil, dass ich über eine autoarme Strecke fahre und ich brauche den Mont Robin nur einmal rauf. Zurück ist es eine kleine Abfahrt und ansonsten flach. Bei Metzger Michel vorbei. Lammkoteletts für den Grill.


[Fortsetzung folgt]

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