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Hochzeitstag

Ausnahmsweise nicht in den Ferien, sondern Anfang Dezember, ging es zu den Großeltern, die nach dem Krieg als Flüchtlinge am Rande des Naturparks Lauenburgische Seen ein Siedlungshäuschen bezogen hatten. Die Koppel.

Dort wurde nach einem strengen Tagesablauf gelebt. Nur an diesem Dezembertag war alles anders.

Diamantener Hochzeitstag.

Im kleinen Zimmer (ehemals Schlafzimmer meiner Mutter) stellte mein Opa, hinterm Rücken Wilhelm I., einen Tapeziertisch auf. "Im Wohnzimmer ziehen wir aus! Hier zwölf Mann, da zwölf Mann und dann passt das." Oma: "Vatter, das ist doch viel zu wenig Platz. Wenn Herr Ahlers mit der ganzen Truppe kommt."

Für großes Lamento blieb keine Zeit. Denn auf der Veranda spielte schon das Bläserensemble von Bauer Röttgers: Zehnköpfige Kinderschar, da konnten auch die Kornetts besetzt werden. Habe ich mal ein Praktikum gemacht. Davon später mehr.

Mein Vater und ich nahmen Herr Ahlers und der Truppe die Mäntel ab und verfrachteten die Blumen in die Badewanne.

Lachsschnittchen und "pippiwarmen Sekt" (meine Mutter) aus dem Heizungskeller wahlweise Kaffee und für Wilhelm Muckefuck. Bezirksvorsteher, Pfarrer, Reporter von der LN.

Durchatmen.

Dann zu Betti Elias. Die Kneipe hatte zwar einen Namen. Wurde aber immer nach der Besitzerin bezeichnet. Mein Onkel, Konditor, hatte schon die dreistöckige Nusstorte installiert und weiter ging's mit Futtern.

Dann der Eklat.

Die Kinder hatten ein paar Mark locker gemacht und einen Akkordeon-Spieler engagiert.

Der sollte die Stettiner Kreuzpolka spielen - wie damals in Pommern.

Und was spielt der Unglücksrabe:



Wilhelm I. trat sofort in einen Tanzstreik: "Der soll sich das Lehrgeld zurückgeben lassen." Akkordeonist: "Willi, ist doch die Kreuzpolka." "Aber nicht die Stettiner! Die geht Düdelüdüelü und nicht Didelitti!" Akkordeonist: "Willi, ich versuchs nochmal."

Meine Oma löste das Tohuwabohu mit: "Los, Vatter, tanz!"

En bald.

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