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Ruhm von Vierlanden

In den Ferien ging es meistens zu den Großeltern, die nach dem Krieg als Flüchtlinge am Rande des Naturparks Lauenburgische Seen ein Siedlungshäuschen bezogen hatten. Dazu gehörte eine Minilandwirtschaft: Hühner, Karnickel, Gold (Billi)- und Amherstfasan (Oskar) im hinteren verdeckten Gehege und Tauben im Schlag. Links war ein Beet: Petersilie, Schnittlauch, Dill. Möhren, Kartoffeln, gelbe Bohnen, Kopfsalat, Erdbeeren. In der Mitte stand ein Bienenhaus und rechts war eine Obstwiese. Das ganze hieß Die Koppel.

Alle paar Stunden stapfte mein Opa zum Bienenhaus, um die Temperatur abzulesen: "Wollen mal zum Bienenschauer gehen. Ganze 23 Grad und das nennt sich jetzt Sommer. Ohooohoho!"

Wir Kids (damals noch Bengel) natürlich mit. "Opaaaa?" - "Grummh!" - "Wir hab'n Hunger!" - Blick auf die Goldene Armbanduhr mit schwarzen Lederarmband "mmh, Mittagessen gibt noch nich. Is erst zehn. Hier hab Ihr 'nen Ruhm von Vierlanden. Der schmeckt frisch am besten!"

Und das Obst im Garten meiner Großeltern hatte nur so Namen. Die Birnen hießen Köstliche von Charneux. Eine weitere Apfelsorte war der Finkenwerder Herbstprinz.

Namen, die heute kein Marketingfuzzi mehr durchgehen lassen würde.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Bitte nicht diese alten Obst- und Gemüsesorten erwähnen! Es tut so weh, dass es sie nicht mehr gibt. Wenn ich an die Apfelbäume im Garten meiner Eltern denke... runzlige (!) Äpfel von einmalig-säuerlichem Aroma, reine Pektin-Bomben, meine Mutter kochte aus ihnen unglaublichen Apfel-Gelee, der ohne weitere Zutaten verdickte... Und die Gurken! Die Gurken!

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