Samstag, 20. Oktober 2007

Geschichten, die das Schwimmbad schrub (IV)

Schütt-Schwester-S. führt ein strenges Regiment im Paradies. Nicht nur während des Erlebnisaufgusses gelingt es ihr, durch heftiges Wedeln schon in Durchgang zwei die oberste Sitzreihe von allen Greenhorns und Selbstüberschätzern zu säubern.

Auch sonst hält sie die Bude sauber.

Vorausgeschickt werden muss: Anno Domini 2002 ereignete sich im Paradies die saunatuchfarbene Revolution. Die Weiße Flotte (ältere Damen wegen der Badekappen so genannt) wurde durch die saunierenden Geldwertkarteninhaber aus dem Solebecken vertrieben. Eine Mauer wurde errichtet. Seither gehört das Solebecken zum Saunabereich.

Leider war es kein Sieg auf ganzer Linie. Der Weißen Flotte gelang es, dass ein Teil der Mauer eingerissen und durch eine Plane ersetzt wurde. Bis 12 h darf die Flotte in der Sole tuckern. Lautsprecherdurchsage. Dann kommt die Plane weg und das Solebecken wird textilfreier Raum.

Gestern um 13:26 h verirrte sich nun ein älterer Opi (gefühlte 75) mit gelb-blauer Badehose (den Farben der benachbarten Kulturhauptstadt) ins Solebecken. Das Modell hatte das Design der 70er Jahre und hätte dem Stadtmarketing der Kulturhauptstadt zur Ehre gereicht.

Schütt-Schwester-S.: "Junger Mann. Ja, Sie meine ich. Kommen Sie mal her."

Schwimmt mit verkniffenen Augen, weil Lesebrille auf zur Kommandantin.

Mit Pathos: "Jetzt ist die Zeit gekommen, wo Sie sich von Ihrer Badehose trennen, oder wir trennen uns von Ihnen."

Eilte zur Treppe und verschwand.

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