Direkt zum Hauptbereich

Geschichten, die das Schwimmbad schrub (IV)

Schütt-Schwester-S. führt ein strenges Regiment im Paradies. Nicht nur während des Erlebnisaufgusses gelingt es ihr, durch heftiges Wedeln schon in Durchgang zwei die oberste Sitzreihe von allen Greenhorns und Selbstüberschätzern zu säubern.

Auch sonst hält sie die Bude sauber.

Vorausgeschickt werden muss: Anno Domini 2002 ereignete sich im Paradies die saunatuchfarbene Revolution. Die Weiße Flotte (ältere Damen wegen der Badekappen so genannt) wurde durch die saunierenden Geldwertkarteninhaber aus dem Solebecken vertrieben. Eine Mauer wurde errichtet. Seither gehört das Solebecken zum Saunabereich.

Leider war es kein Sieg auf ganzer Linie. Der Weißen Flotte gelang es, dass ein Teil der Mauer eingerissen und durch eine Plane ersetzt wurde. Bis 12 h darf die Flotte in der Sole tuckern. Lautsprecherdurchsage. Dann kommt die Plane weg und das Solebecken wird textilfreier Raum.

Gestern um 13:26 h verirrte sich nun ein älterer Opi (gefühlte 75) mit gelb-blauer Badehose (den Farben der benachbarten Kulturhauptstadt) ins Solebecken. Das Modell hatte das Design der 70er Jahre und hätte dem Stadtmarketing der Kulturhauptstadt zur Ehre gereicht.

Schütt-Schwester-S.: "Junger Mann. Ja, Sie meine ich. Kommen Sie mal her."

Schwimmt mit verkniffenen Augen, weil Lesebrille auf zur Kommandantin.

Mit Pathos: "Jetzt ist die Zeit gekommen, wo Sie sich von Ihrer Badehose trennen, oder wir trennen uns von Ihnen."

Eilte zur Treppe und verschwand.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Sonderfolge: Operation Goldrahmen

Das passiert nicht alle Tage: Vor dem rostigen Tor des ehemaligen Pumpwerks Alte Emscher – von Knorb liebevoll 'Jazzlabor' genannt – setzt der schneeweiße Cougar der Luftwaffe auf. Seitentür auf, hydraulisches Zischen. Aus dem Heli steigt Majorin Sina Dornfeld (Rufzeichen ‚Eule‘) in makelloser Uniform, ihre Augen scannen das Gelände, bis sie den abflugbereiten Professor mit seinen beiden Dackeln entdeckt. Majorin Dornfeld nimmt unsere drei Freunde persönlich in Empfang. Prof. Dr. Werner Knorb, barfuß wie immer, florale Brille, Batikhemd. Den eingeschlagenen Goldrahmen mit der Geburtsurkunde von Trumps Großvater unterm Arm. Idee: Fritz. Beschaffung: Gustav. Goldene Rahmung: Der Professor. Es geht zum Militärflugplatz Köln-Wahn. Merz wartet schon vor dem Regierungsflieger. Um ihn: Aktenmänner, Uniformen, diskrete Sicherheitsleute mit Knopf im Ohr. Merz: „Werner. Na klar. Wer sonst, wenn’s goldgerahmt sein soll.“ Knorb: „Fassung für den Wahnsinn. Und das im wortwörtlichen Sinn.“ M...

Jazz mit Fell – Professor Knorb und seine Tour de Tuba

  Professor Dr. Werner Knorb – Jazz-Schimpanse, Tuba-Virtuose, florale-Brillen-Liebhaber – und: Deutschlands einziger Jazzprofessor. Das allein würde schon reichen, um sich ein Denkmal aus Notenschlüsseln zu gießen. Aber Knorb wäre nicht Knorb, wenn er es dabei belassen hätte. Seine Habilitation bei Roger Bobo? Kein trockenes Papier,  sondern eine wuchtige, an Pendereckis Polymorphia orientierte Version des Tuba-Stücks „Kreuz Kaiserberg“, von Bobo kommentiert mit: „Werner, das ist entweder genial – oder ein Notruf aus dem Untergrund.“ Knorb brummte nur. Die Aufnahme landete später, getarnt unter Pseudonym, auf dem legendären Album „Tuba Libera“ – ein Meilenstein für all jene, die Tuba nicht mehr nur mit Märschen assoziieren. Für seine Promotion zog er alle Register – und blies „The Lonely Shepherd“ auf der Tuba so sehnsuchtsvoll, dass Gheorghe Zamfir, Papst der Panflöte, zu Tränen gerührt war. Was folgte, war eine zweijährige Tour mit Zamfir und André Rieu: Rio, Tokio, Sydne...

Gebrannte Pinienkerne

Sch... verbrannt! Und billig sind die Dingern nun echt nicht (mehr). Wenn man Pinienkerne für ein Pesto oder für den Salat in der Pfanne röstet muss man höllisch aufpassen. Gerade denkt man noch, werden die Piñónes denn überhaupt nicht braun? Da sind sie schon verbrannt. Abhilfe schafft hier ein Küchengerät, das ich im Rahmen dieses Blogs schon vor einigen Tagen hier besprochen habe. Der gute alte Minibackofen. Vor einigen Jahren habe ich mir im einschlägigen Versandhandel eine Blini-Eisenpfanne aus französischer Produktion zugelegt, die ich aber bislang sehr selten benutzt habe. Doch im Zusammenspiel mit dem Minibackofen ergibt sich ein unschlagbares Team, wenn es um die Röstung von Pignons de Pin geht. Hier das Rezept: Pinoli in die Pfanne (komisch immer werden 30 Gramm in den REZen verlangt) Minibackofen auf 175° drehen (Ober- und Unterhitze aktiv) Zeitschalter auf sechs Minuten und ab dafür Dazu passt ein Export 33, das man ohne Öffner einfach aufschraubt und eiskalt vor dem Fernse...