Dienstag, 1. August 2017

Ein Tag am Meer I

6 Uhr: Die Sonne knallt durch das Fenster. Ich liege hellwach im Bett. Ist das schon senile Bettflucht oder noch der Rhythmus, den ich aus dem Alltag gewohnt bin? Egal, um diese Zeit kann man das Internet noch verwenden. Wenn später die ganzen Fraggles aus Paris einfallen, bricht das Netz wieder zusammen.


Statt L’Équipe: Ich schaue, was Cyclingnews zur Aufgabe von Kittel schreibt, gucke ein paar Bilder bei steephill.tv. Ich sammele Kartonage, olle Zeitschriften und leere Wasserflaschen zusammen und stopfe alles in meinen Rucksack.



7 Uhr: Zähne putzen. Der Wind weht das dumpfe Geläut von St. Thomas of Canterbury - unserer Dorfkirche - zu unserer Klippe herauf. Meistens ist es der dritte Glockenschlag, bei dem ein metallisches Quietschen einsetzt. Das ist Delfine, die Chefin der Bäckerei, die Adélé heißt. Sie orgelt ihr Rolltor nach oben.


Unsere Wohnung ist im Erdgeschoss eines altehrwürdigen Gemäuers - direkt neben dem Eingang zur Cave, dem Keller, den sie hier in den Fels getrieben haben. Alle zehn Parteien haben hier einen vergitterten Verschlag. Keine Ahnung, welcher davon zu unserer Wohnung gehört. Mein 29er Mountainbike lehnt daher im Eingangsbereich. Ich schnappe es mir.


Dicken Vatter. Den oberen Teil der Rue Juliette vor unserem Haus haben sie frisch asphaltiert. Da nimmt man gewaltig Fahrt auf bis einem am Abzweig zur Rue Gabrielle klar wird, warum hier das Mountainbike die Waffe der Wahl ist. Es geht zu steil bergab, ich muss aus dem Sattel und manövriere mich im Stile von Jolanda Neff - ohne mit ihrer Haarpracht konkurrieren zu können - an den Schlaglöchern und Geröllflächen vorbei. Rock'n'Roll!


Über die Promenade komme ich zu den Wertstoffcontainern. Wieder voll. Stopfe mein Zeuch in einen normalen Mülleimer an der Promenade. Den haben die Männer vom Gartenbauamt gerade geleert. Jetzt stehe ich hinter ihnen in der Schlange bei Adélé. Die Chefin ist nicht da. Daher bedient uns die Gepiercte. Ich muss an einen alten Witz von Uwe Lükow denken:"Sie sah aus, als hätte sich der Typ von der Tackerwand im Baumarkt an ihr vergangen."


Selbst, wenn ich eine L’Équipe hätte kaufen wollen. Es wäre nicht gegangen. Das Zeitschriftenregal in der Bäckerei gibt es nicht mehr. Auf der Theke liegen 5 Exemplare Paris-Normandie und ein kleiner Stapel kostenloser Anzeigenblätter. Das war’s.


[Fortsetzung folgt]

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